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Wort Bedeutung
Epigramm Das Epigramm (griechisch επίγραμμα - die Aufschrift), ist ursprünglich eine Aufschrift an einem Weihgeschenk, einem Grabmal, einem Kunstwerk etc., lediglich mit dem Zweck der Bezeichnung des Gegenstandes und dessen Bedeutung. Später erhielten diese Inschriften eine poetische Erweiterung, indem sie in knappster Fassung des Sinnes, meist in Distichen, auch Gefühlen und Gedanken Raum gaben, welche sich an die betreffende Person, Handlung oder Begebenheit knüpften, und bildeten sich so zu einer selbständigen Dichtungsgattung heraus. Gotthold Ephraim Lessing erklärt das Epigramm als Gedicht, in welchem nach Art der eigentlichen Aufschrift unsere Aufmerksamkeit und Neugierde auf irgend einen einzelnen Gegenstand erregt und mehr oder weniger hingehalten werden, "um sie mit Eins zu befriedigen". Erwartung und Aufschluss sind daher die beiden wesentlichen Teile des Epigramms, von denen erstere (wie ein Rätsel) durch einen scheinbaren Widerspruch gespannt, letzterer durch eine überraschende Deutung des Sinnes herbeigeführt wird (daher auch der deutsche Name Sinngedicht für Epigramm). Begründer der epigrammatischen Kunst war Simonides von Keos, dessen Epigramme, zum großen Teil für die Monumente der Kämpfer in den Perserkriegen gedichtet, Muster poetischer Auffassung sind und sich durch Schärfe des Gedankens und großartige Einfachheit auszeichnen. In der Folge fand das Epigramm die allgemeinste Pflege, und der poetische Sinn der Griechen entfaltete in dergleichen kleinen Gedichten noch lange eine große Anmut, Vielseitigkeit und Gewandtheit, auch nachdem ihnen die Kraft zu größeren Pro-Auktionen entschwunden war. Geschichte Ein Teil des reichen Nationalschatzes griechischer Epigramme ist uns in der griechischen Anthologie (Anthologia Graeca) erhalten. Von den Griechen kam die epigrammatische Poesie nach Rom und wurde hier mit Vorliebe gepflegt, nahm aber bald den vorwiegend satirischen Charakter an. In der Periode des Augustus werden die ersten Dichter Roms sowie die angesehensten Männer des Staats unter den Epigrammdichtern genannt. Das Bedeutendste aber, was sich von dieser Art Poesie der Römer erhalten hat, sind die Epigramme des Martial; in späterer Zeit tritt noch Ausonius hervor. Auch bei den romanischen Völkern trug das Epigramm meist den beißenden Charakter, ward aber zum Teil zum Madrigal, zum Teil auch zum Sonett umgestaltet. Am beliebtesten war es in Frankreich, wo Clément Marot (1495-1544) als der erste bekannte Dichter in dieser Gattung genannt wird. Mittels des Epigramms pflegte sich besonders seit Richelieus Zeiten und kurz vor dem Ausbruch der Revolution die zum Stillschweigen verurteilte politische Opposition zu äußern. In England wusste vornehmlich Owen den Ton des Martial zu treffen. Als die ältesten deutschen epigrammatischen Produkte gelten die "Priameln" des 13. und 14. Jahrhunderts, die jedoch, ähnlich den Sinngedichten des Orients (Indien, Persien), mehr allgemeine Sitten- und Weisheitssprüche sind. Im 17. Jahrhundert hielt man sich im Epigramm an das Vorbild der Alten und nahm sich vornehmlich Martials sarkastische Schärfe zum Muster; so besonders Logau, später Wernicke, Erich Kästner, Lessing, Haug. Goethes und Schillers Epigramme sind, die scharf treffenden "Xenien" ausgenommen, meist Sinnsprüche allgemeineren Inhalts. Aus neuerer Zeit sind Platen, Grillparzer, Hebbel, Vischer unter anderem anzuführen. Die beliebteste Form des Epigramms ist noch jetzt das Distichon, das als sein vollkommenes formales Schema angesehen werden kann, indem der Hexameter die Erwartung, der Pentameter den kurz zusammenfassenden Aufschluss gibt. Indessen eignet sich auch der kurze Jambus mit passenden Reimverschlingungen zum Träger des Epigramms.
Epik Die Epik (griechisch επική [ποίηση] - zum Epos gehörende Dichtung) ist neben der Lyrik und Dramatik eine der drei großen Gattungen der Literatur und umfasst erzählende Literatur in Vers- oder Prosaform. Bis zur Poetik des 18./19. Jahrhunderts ist die Epik eine Bezeichnung für die Kunst des Epos. Mit der zunehmenden Differenzierung der epischen Dichtung im 19. Jahrhundert und der Entwicklung der Prosa, werden unter den Begriff Epik alle Genre der erzählenden Literatur erfasst. Die Epik unterscheidet sich von der Dramatik und Lyrik durch grundlegende Merkmale der Gestaltung, der Kommunikation und der Funktionsweise. Zu diesen Merkmalen gehören: Erzählen als charakteristische Form der Vermittlung zwischen Erzähler und Zuhörer bzw. Leser, wobei aus der Perspektive des Erzählers oder einer Figur erzählt wird (Erzählperspektive) Vergegenwärtigung des Geschehens als vergangenes und ungebundener Umgang mit der Zeit (Erzählzeit) Gestaltung gesellschaftlicher Zustände, individuelle Begebenheiten, Erlebnisse (Stream of consciousness) Zu den ersten epischen Formen gehören z.B. Aufschriften auf Gegenständen, die den Gegenstand erklären (Epigramm) als auch die höheren Formen (Gnome, Spruch, Elegie). In den Kosmogonien, Theogonien und mystischen Heilslehren erhält die Epik einen mehr poetischen Gehalt, indem das natürliche Geschehen in personifizierten Taten und Ereignissen dargestellt wird. Für die Formen Märchen, Sagen und Legenden gilt dies gleichermaßen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bestimmt das Epos die Merkmale dieser Formen. In der Übergangsphase von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft wandelte sich die Epik grundlegend und es erfolgt in Europa der Übergang von der Vers- zur Prosa-Epik. Damit diese differenzierte Welt greifbar zu machen war, mussten sich neue Erzählformen herausbilden. Dazu gehört z.B. der Roman. Gleichzeitig entstanden, bedingt durch die industrielle Revolution, effektivere Mechanismen zur Verbreitung und Herstellung von Literatur. Dadurch beschleunigte sich die Entwicklung der literarischen Formen und es entwickelten sich z.B. Formen wie die Novelle, die Glosse, die Kurzgeschichte und die Short Story. Formen der Epik Großform Roman Epos Saga Kurzform Erzählung Ballade Novelle Anekdote Kurzgeschichte Romanze Einfachen Formen Märchen Sage Legende
Erzählerperspektive Die Erzählperspektive eines erzählenden Textes (Epik) bezeichnet, aus welchem Standpunkt die Handlung beschrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es zahlreiche Modelle der Erzählperspektive. Die Untersuchung der Erzählperspektive ist ein Teil der Erzähltheorie. Erzählperspektive wird oft von der Erzählhaltung unterschieden. In der Lyrik spricht man nicht vom Erzähler, sondern vom lyrischen Ich. In der Literaturwissenschaft wird zwischen dem Autor und dem Erzähler streng unterschieden. Der Erzähler einer Geschichte ist also nicht mit der tatsächliche historische Autor, sondern eine abstrakte Instanz oder Funktion. Er kann zudem vom impliziten Autor unterschieden werden (siehe Rezeptionstheorie). Auch Autobiographien haben beispielsweise einen Erzähler, der - im strengen literaturwissenschaftlichen Sinne - von ihrem realen Autor unterschieden werden muss. Ansätze Typologisches Modell Wichtigstes Schema ist das typologische Modell der Erzählsituationen (siehe dort), das der Anglist Franz K. Stanzel in den 1950er Jahren entwickelte. Stanzel unterscheidet drei "Erzählsituationen": Auktoriale Erzählsituation Personale Erzählsituation Ich-Erzählsituation Bewusstseinsstrom und Erlebte Rede sind extreme Formen der Ich-Perspektive. Zwischen "Erzählsituation" und "Erzählperspektive" wird gewöhnlich nicht unterschieden. Genettes Erzähltheorie kennt jedoch den Begriff der Fokalisierung, der die Erzählerfunktion anders fasst, siehe dort. Weitere Typen von Erzählern und Erzählperspektiven werden im Folgenden erläutert. Unzuverlässiger oder unglaubwürdiger Erzähler Besonders in modernen Romanen verfügen die Autoren über viele Möglichkeiten mit dem Leser zu "spielen". Ein unzuverlässiger Erzähler widersetzt sich dem Wertesystem des Lesers; seine Erzählung weist offenkundige Widersprüchlichkeiten auf, ist lückenhaft oder verwirrt den Leser durch die Schilderung verschiedener Versionen der Ereignisse. Der solchermaßen vorgeführte Wirklichkeitsbruch ist ein typisches Stilmerkmal der Literatur der Romantik und tritt auch häufig im postmodernen Roman auf. overt / covert narrator Als overt narrator (offenliegender, expliziter Erzähler) bezeichnet man einen Erzähler, der als solcher in Erscheinung tritt. Dazu zählt ein auktorialer Erzähler, der abschweift, die Geschicke seiner Figuren lenkt und kommentiert, aber auch ein Ich-Erzähler, der ständig als handelnde Figur auftritt. Im Gegensatz dazu verschwindet der covert narrator (verdeckter Erzähler) gewissermaßen von der Bildfläche; die Handlung wird erzählt, ohne dass der Erzähler in Erscheinung tritt. Heterodiegetischer / Homodiegetischer Erzähler Der heterodiegetische Erzähler ist vergleichbar mit dem auktorialen Erzähler nach Stanzel: er befindet sich nicht in der gleichen (fiktiven) Welt wie die Erzählung. Der Gegenbegriff dazu ist der homodiegetische Erzähler, der sich als Figur innerhalb der fiktiven Welt seiner Erzählung befindet. Letzterer wird weiter differenziert in den peripheren und dem zentralen homodiegetischen Erzähler, je nach der Distanz, die er zu den Geschehnissen hat. Mise en abyme Ein spezieller Kunstgriff ist die behauptete Identität von Autor und Erzähler (Selbstreferenz): Alfred Döblin hat zum Beispiel in seinem Roman Berlin Alexanderplatz eine Formulierung wie "so wahr ich Alfred Döblin heiße" untergebracht. Wenn der Autor in seinem Roman seinen eigenen Namen anführt, handelt es sich dann um einen Roman, bei dem Autor und Erzähler identisch sind? Man kann darauf so antworten: In dem Roman geht es um die fiktive Geschichte einer fiktiven Person namens "Franz Biberkopf". Wenn in dieser fiktiven Geschichte einer auftritt, der sagt, dass er mit Franz Biberkopf gut vertraut sei, dann muss er selber ein Teil der fiktiven Welt sein und kann daher nicht identisch mit Alfred Döblin sein. Diese Möglichkeit, das Verhältnis von Autor und Erzähler und damit von Realität und Fiktion zu problematisieren, wird als Mise en abyme (wörtlich: "in einen Abgrund stellen") bezeichnet. Erzähler im Film Auch Filme kennen die Instanz des Erzählers, die beispielsweise als Stimme aus dem Off oder als Subjektive Kamera betont werden kann. Film-Regisseure fügen manchmal eine Erzählerfigur ein, um die Handlung von einer neutralen (oder auch parteiischen) Instanz kommentieren zu lassen und den Seheindruck des Zuschauers zu lenken. Beispielsweise lässt David Lean in seinem Film Doktor Schiwago einen General namens "Jewgraf Schiwago" auftreten. Dieser tritt als handelnde Person auf und ist zugleich auch derjenige, der dem Zuschauer die Handlung des Films als Erzähler nahe bringt. Generell lassen sich jedoch literarische Erzählperspektiven nicht ohne Probleme auf den Film übertragen. Erzähler im Theater Gewöhnlich haben Theaterstücke keinen Erzähler. In der griechischen Tragödie übrnimmt jedoch häufig der Chor die Funktion des Erzählers, indem er das Geschehen auf der Bühne kommentiert. Eine ähnliche Funktion haben Proszeniums-Szenen (wie z.B. das Vorspiel auf dem Theater zu Beginn von Goethes Faust I).
Erzählkultur Als Erzählkultur bezeichnet man die soziale und kulturelle Einbettung von mündlichen Erzählungen, die teils aus der Erinnerung teils neuerfunden zwischen den Angehörigen kleiner Gemeinschaften hin und herfließen. Wesentlich ist die Unmittelbarkeit der beteiligten Personen im Gegensatz zur Mittelbarkeit der Erzählung als Literaturform. Vorkommen Überall wo Menschen vertraut miteinander umgehen, Muße und Phantasie wertgeschätzt werden und man sich die Zeit nimmt, frei zu erzählen (Synonym: fabulieren) und zuzuhören, gibt es auch im 21. Jahrhundert der Hektik und Arbeitszeitverdichtung noch Inseln der Erzählkultur. Wenn ein Elternteil sich Zeit nimmt, dem eigenen Nachwuchs nicht nur Erzähl-Musikkassetten zu schenken sondern eigens selbsterfundene Geschichten - und denen der Kleinen aufmerksam zuhört, dann ist das praktizierte Erzählkultur. Und wenn später in der Kinder- oder Jugendclique einzelne besonders "saftige", witzige Erlebnisse für die eigene Selbstdarstellung in der Gruppe "erfinden" und ausschmücken, dann ist das ein Stück Erzählkultur. Und wo Männer am Tresen oder in den Situationen des Flirtens oder Sichherausredens auch mal kreativ werden (müssen), da ereignet sich die Erzählkultur des Alltags. Geschichte In der vorindustriellen Welt der Geschichte oder der "Dritten Welt", die noch nicht von technischen Unterhaltungsmedien wie TV, Radio oder Abspielgeräten durchflochten und geprägt war, mussten sich die Menschen ihre Unterhaltung durch eigene Aktivitäten wie singen oder eben Erzählen selber schaffen. Das geschah zum Beispiel in der Tradition der ländlichen "Spinnstuben" beim gemeinschaftlichen Verspinnen der Wolle oder Pflanzenfasern. In einigen Gesellschaften gab es auch Menschen, die ihr erzählerisches Talent zu einem Beruf, dem Geschichtenerzähler, machen konnten. In Elias Canettis Erzählungssammlung "Die Stimmen von Marrakesch" gibt es eine Schilderung dieser Tradition am Beispiel eines marokkanischen Marktplatzes, die die Kunstfertigkeit jener stets von Menschentrauben umlagerten Geschichtenerzählerprofis hervortreten lässt. Wissenschaftlich dokumentiert und untersucht werden diese historischen Vorkommen von Erzählkultur durch die Disziplinen der Völkerkunde und der Europäischen Ethnologie.
Erzählung Eine Erzählung ist allgemein eine Form der Darstellung. Im besonderen versteht man darunter eine Geschichte in mündlicher oder schriftlicher Form. Erzählung ist ein Oberbegriff für Novellen, Anekdoten, Kurzgeschichten, Sagen und Erzählungen im engeren Sinne auch gleichbedeutend mit Epik (siehe Gattung (Literatur)) ein eigenes Genre (kürzer als ein Roman, eine Begebenheit im Mittelpunkt, eine lockerere Komposition als bei der Novelle) Es gibt unterschiedliche Erzählperspektiven: neutrale Erzählperspektive auktoriale Erzählperspektive personale Erzählperspektive (Sonderform: Ich-Perspektive) Weiterhin sind verschiedene Erzählmethoden möglich: reflektierend zeitraffend zeitdilatierend Die Erzähltheorie oder Erzählforschung ist eine interdisziplinäre Methode der Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften. Teilweise wird sie auch als Narratologie oder Narrativistik in den Rang einer Hilfs- oder Grundlagenwissenschaft erhoben. Ihr Gegenstand ist jede Art des erzählenden Textes, von der erzählenden Literatur (Epik) über Geschichtsschreibung bis hin zu Interviews, Zeitungsartikeln oder Witzen. Fächer, in denen die Erzähltheorie eine wichtige Rolle spielt, sind Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Geschichtswissenschaft und Soziologie. Die neuere Erzähltheorie wurde ab 1915 in Ansätzen vom Russischen Formalismus entwickelt und vom Strukturalismus seit den 1950er Jahren weiter ausgearbeitet. Der strukturalistische Ansatz - mit späteren Ergänzungen - ist bis heute maßgeblich. Wichtige Theoretiker der Narratologie sind Gérard Genette, Claude Lévi-Strauss, Roland Barthes, Roman Jakobson, Jurij Lotman und Paul Ricoeur. Teilweise wird die Narratologie durch die Semiotik ergänzt. Kritisiert, aber auch entscheidend erweitert wurde die Erzähltheorie durch den Poststrukturalismus. Analysekategorien nach Genette Die strukturalistische Erzähltheorie nach Genette wurde an literarischen Texten entwickelt. Ihre Analysekategorien sind daher auch hauptsächlich auf die Epik bezogen. Ein erzählender Text kann nach folgenden Kategorien analysiert werden: Zeit, Modus der Erzählung, Stimme des Erzählers. Zeit Die Zeitebene einer Erzählung kann nach Genette in drei Kategorien analysiert werden: Ordnung, Dauer und Frequenz. Ordnung In vielen erzählenden Texten ist die chronologische Reihenfolge der erzählten Ereignisse (Zeit der Geschichte) nicht identisch mit dem sprachlichen Ablauf der Erzählung selbst (Zeit der Erzählung). Es gibt etwa Fälle, in denen der eigentliche Schluss der Handlung ganz am Anfang des Textes steht (das wäre eine Prolepse) oder wo zum Schluss noch einmal zu einer dramatischen Situation rückgeblendet wird (Analepse). Generell spricht man in allen Fällen von einer Anachronie. Es gibt verschiedene Formen von Anachronien: Analepse ist eine Rückblende, ein Zeitsprung in die Vergangenheit, für Génette sogar jede nachträgliche Erwähnung eines vergangenen Ereignisses (auch Retrospektion) Ellipse nennt man eine Auslassung, bei der ohne weiteren Kommentar Begebenheiten von der Erzählung übersprungen werden wird absichtlich ausgeblendet oder etwas beiseite gelassen, spricht man von einer Paralipse Prolepse: Vorausschau, Zeitsprung in die Zukunft (auch Antizipation) überschneidet sie sich nicht mit der erzählten Zeit, ist es eine externe Prolepse verbleibt sie innerhalb der erzählten Zeit, spricht man von einer internen Prolepse füllt sie im Voraus eine Lücke aus, ist es eine kompletive Prolepse wird das gleiche Ereignis später noch einmal erzählt, ist es eine repetitive Prolepse ("Vorgriff") Achronie ist ein Extremfall der Anachronie; die chronologische Reihenfolge ist nicht rekonstruierbar (auch Syllepse). Dauer Die Dauer bezieht sich auf das Verhältnis zwischen der Zeitspanne, die das Erzählen im Verhältnis zum Erzählten einnimmt. Die Beschreibung eines Blitzes, der nur Sekundenbruchteile andauert, kann in einer Erzählung mehrere Seiten einnehmen. Man spricht dann von einer zeitdehnenden Erzählweise, da hier der Vorgang viel länger dauert als das erzählte Ereignis. Umgekehrt können in einer Erzählung Jahrhunderte in knappen Worten erledigt werden. Dies wäre ein Fall von starker Zeitraffung. Wenn das Geschehen und die Erzählung in etwa den gleichen Zeitraum einnehmen, spricht man von zeitdeckendem Erzählverhalten. Dies kommt beispielsweise oft bei Dialogen vor; man spricht auch von einer Szene. Extreme Formen sind die Ellipse und die Pause. Bei der Ellipse wird - meist Unwichtiges - im Erzählen weggelassen: die Erzählung steht still während das Geschehen weiter geht, so dass der Eindruck eines "Zeitsprung" entsteht. Die Pause hingegen bezeichnet den Stillstand der Handlung, währen die Erzählung fortläuft, indem beispielsweise Abschweifungen oder nicht für die Handlung relevante Betrachtungen vorgenommen werden. Frequenz Singulativ: Was einmal geschieht wird einmal erzählt. Repetitiv: Was einmal geschieht wird mehrmals erzählt. Iterativ: Was mehrmals geschieht wird einmal erzählt. Weitere Ansätze Eine weitere gängige Unterscheidung ist diesen Analysemerkmalen nicht unähnlich: die zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit. Modus Distanz / Mittelbarkeit narrativ: Mit Distanz (mittelbar,haple diegesis) Erzählte Rede (Bewusstseinsbericht, erzählte Rede) Transponierte Rede: steht, was den Grad an Distanz bzw. Mittelbarkeit betrifft, zwischen der dramatischen und der narrativen Rede. Die transponierte Rede umfasst die indirekte Rede und die erlebte Rede. dramatisch: Ohne Distanz (unmittelbar, mimesis) direkte autonome Figurenrede (ohne verbum dicendi) direkte Figurenrede (mit verbum dicendi, z.B. "sagte er...") Bewusstseinsstrom Gedankenzitat (mit verbum credendi, z.B. "dachte ich...") innerer Monolog Fokalisierung (nach Genette) Nullfokalisierung: Der Erzähler sagt mehr, als die Hauptfigur weiß. Interne Fokalisierung: Der Erzähler sagt so viel, wie die Figur weiß. Externe Fokalisierung: Der Erzähler sagt weniger, als die Figur weiß. Stimme / Erzähler Frage: Wer spricht eigentlich? Homodiegetisch / Heterodiegetisch (nach Genette) Homodiegetisch: Der Erzähler ist Teil des Geschehens Heterodiegetisch: Der Erzähler ist nicht Teil des Geschehens Autodiegetisch: Der (homodiegetische) Erzähler ist zugleich die Hauptfigur Extradiegetisch / intradiegetisch Der extradiegetische Erzähler ist der Erzähler, der die äußerste Handlung (Rahmenhandlung) erzählt. Diese Handlung ist intradiegetisch. Kommt in dieser Rahmenhandlung wieder ein Erzähler vor, so handelt es sich um einen intradiegetischen Erzähler, das was er erzählt ist eine metadiegetische Erzählung. Ein metadiegetischer Erzähler erzählt eine metametadiegetische Erzählung usw. Weitere Ansätze Es gibt einige weitere Ansätze der Erzähltheorie, die mehr oder weniger in sich geschlossene Modelle bilden. Das Typologische Modell der Erzählsituationen nach Franz K. Stanzel unterscheidet Auktoriale Erzählsituation: Es gibt einen allwissenden Erzähler. Personale Erzählsituation: Es wird aus der Sicht der Hauptperson erzählt, jedoch weiterhin in der dritten Person. Ich-Erzählsituation: Es wird in der ersten Person erzählt Das Modell der Erzählperspektiven (point-of-view) Erzählschema Unter dem Erzählschema versteht man allgemein die Struktur der linearen Abfolge (oder sequenzielle Struktur) der Elemente einer Erzählung auf der Ebene der Ereignisse und Handlungen (discours). Neben der discours-Ebene gibt es die Ebene der histoire, das ist die konkrete sprachliche Ausgestaltung des Textes durch rhetorische Stilmittel. Bei der Analyse des Erzählschemas wird sie nicht berücksichtigt. Wenn man ein Erzählschema analysiert, geht man folgendermaßen vor. Zunächst untersucht man, in welcher Abfolge die Ereignisse erzählt werden (discours) und ordnet sie linear abstrahiert von da zu einem Schema. (1) - Ein Mord geschieht - die Polizei untersucht den Fall und steht vor einem Rätsel - der Detektiv wird beauftragt - die Hauptverdächtige flirtet mit dem Detektiv - ein weiterer Verdächtiger wird befragt - usw. Diese Abfolge kann man weiter abstrahieren: (2) - Verbrechen - Suche nach dem Täter - (mehrfache Fehlschläge) - Verhaftung. Damit erhält man - ein sehr simples Schema des Kriminalromans. Vergleicht man beispielsweise mehrere Erzählungen eines Autors (oder auch mehrerer Autoren), kann man feststellen, ob der Aufbau der Erzählung auf der Ebene des discours immer gleich verläuft, ob die Abfolge variiert etc. In der Literatur sind bestimmte Erzählschemata so erfolgreich, dass sie von vielen Autoren übernommen werden, z.B. der Bildungsroman, die Kurzgeschichte, die Novelle. Natürlich gibt es hier im Einzelfall wiederum Abweichungen vom Schema, oder es werden neue Schemata entwickelt. Das konventionellste Schema eines erzählenden Textes wird im Schulunterricht gelehrt: Es besteht aus einer Exposition, in der die handelnden Figuren vorgestellt werden, einem Hauptteil, in dem die Handlung entwickelt wird und der mit einem dramatischen Höhepunkt (Klimax, bei komischen Erzählungen Pointe) endet, gefolgt von einem Schluss. Fiktionalität/Faktizität (Fehlt noch) Soziokulturelle Funktion des Erzählens In der Biosoziologie, einem Teilbereich der Soziologie, wird von manchen Forschern die These vertreten, dass die Geschichte des Menschen mit der Erfindung des Erzählens beginnt. Es gibt keine Möglichkeit, diese Hypothese empirisch zu belegen; vielmehr ist damit gemeint, dass das Menschsein sich zentral über die Fähigkeit des Erzählens definiert (siehe Anthropologie). So geht man in der Soziologie davon aus, dass in vielen Völkern der Urzeit - ebenso wie bei manchen noch heute existierenden Stämmen, die keine Schrift kennen - der Erzähler eine wichtige soziale Funktion hat. Ein Erzähler trägt die Mythen, Genealogien, Märchen und Sagen eines Volkes mündlich weiter. Dadurch bildet er das soziale Gedächtnis seines Stammes. Weiterführende Artikel hierzu: Mündliche Überlieferung Erzählkultur Oralität
Etmal Seemmannssprache: Etmal ist 1. Die Zeit von Mittag bis Mittag 2. Die in dieser Zeit zurückgelegte Strecke
Experimentelle Dichtung Experimentelle Dichtung ist ein Sammelbegriff für all jene Formen der Dichtung, in denen mit der Sprache als Material gearbeitet wird. Dabei kann es sowohl um den Materialcharakter der Schrift, die Wechselwirkung von Schrift und Bild gehen (vgl. Visuelle Poesie) als auch um die klanglichen Qualitäten der Sprache wie etwa in der Lautpoesie. Auch Experimente mit den Kategorien von Inhalt und Form sowie Beschränkungen im Sinne von Oulipo gehören zur Experimentellen Dichtung.
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