Autor Thema: Aufgabe Januar 2007  (Gelesen 2324 mal)

Offline Laya

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Aufgabe Januar 2007
« am: 22. November 2008, 15:46:01 »
Wieder ein Jahr zu Ende und wieder hat ein neues angefangen. Die Zeit verrinnt wie der Sand in der Uhr. Doch diesen Jahreswechsel wollten Laya und ich nicht alleine feiern. Wir luden deshalb ein paar schwach begüterte Brüder ein. Um ihnen nicht das Gefühl zu geben, sie lebten von Almosen, ließ ich sie bei den Vorbereitungen des Silvesterabends mithelfen. Das stellte sich jedoch als eine schlechte Idee heraus.

In meinen alten Schriften fand ich eine Rezeptur zum Grillen von Schweinebauch. Das gemahnte sich einfach und schnell. Laya tauschte derweil ihren Doktorhut gegen eine Kochmütze ein. Mit gestärktem und gebleichtem Kartum setzte sie sich auf die Esse des Kamins um alles zu überblicken. Ich verteilte indessen die Arbeiten. Bruder Albert bat ich, den Rost für den Grill aus dem Keller zu holen. Laya schien das nicht so recht zu gefallen. Schnell flog sie dem strebsamen Bruder hinterher. Die Arbeit für Bruder Ansgar lag darin, Kirschenholz zu besorgen, um das Feuer zu entfachen. Je härter das Holz, desto besser bildete sich die Glut, die lange anhielt. Zuletzt schickte ich Bruder Ludger in die Vorratskammer, damit er uns ein paar Seiten vom Schweinebauch abschnitt. Als musizierender Bruder verrichtete er jede Arbeit mit Gesang. Mit einem Lobgesang auf den Lippen begab er sich in den angegebenen Raum.

Kaum war ich alleine, um die Gewürze aus den Tontöpfen zurichten, hörte ich Laya laut reklamierend aus dem Keller fliegen. Bruder Albert folgte ihr, ebenfalls schreiend. Der Anblick der beiden erschreckte mich. Layas Kochmütze war über und über mit braunem Staub bedeckt. Beim genaueren Betrachten entdeckte ich, dass es sich um Rost handelte. Der Eimer, den Bruder Albert in de Händen trug, war ebenfalls halb mit Rost gefüllt. Hatte der dumme Kerl doch tatsächlich den metallnen Grillrost mit dem oxidierten Eisen verwechselt. Ich konnte es kaum glauben. Zuerst klärte ich ihn auf, um dann mit ihm gemeinsam das Gestell aus besagtem Ort zu holen.

Leider hatte ich keine Zeit. Mich von diesem Vorfall zu erholen. Laya flog bereits wieder wilde Töne kreischend im Refektorium auf und ab. Sofort alarmiert schaute ich mich um. Da wurde ich eines Anblicks gegenwärtig, der mich erstarren ließ. Bruder Ansgar war erfolgreich gewesen und hatte ganze Arbeit geleistet. Er hatte mindestens drei Kirchenbänke aus der Kapelle zersägt, bevor er sie fein säuberlich zum Hacken in das Refektorium zog. Im Holzkorb deponierte er die Säge. Wie konnte ein einzelner Mann soviel Dummheit besitzen. Zuerst nahm ich einen Hammer und nagelte die langen Bretter zusammen. Beide brachten wir die zumindest noch lackierten Hölzer zurück in die Kapelle. Dann zog ich die Axt unter dem Holstapel hervor. Im Garten zerhackte ich den umgestürzten alten Kirschbaum vom Vorjahr und lid mir das trockenen Holz in einen kleineren Korb. Ungläubig den Kopf schüttelnd kehrte ich zurück in das Refektorium.

Die nächste Überraschung wartete bereist auf mich. Bruder Ludger stand in der Mensa und zeigte auf drei lange Darmsaiten. Er hatte sie bereits zwischen zwei Stuhllehnen gespannt und zupfte an ihnen, bis diverse Töne erklangen. Anstatt ein paar ansehnlicher Speckseiten vom geschlachteten Schwein abzuschneiden, hatte er den Darm des Tieres seziert und ein Musikinstrument daraus gebastelt. Konnte das wahr sein. Mir stellten sich die Nackenhaare vor Grauen und vor Zorn. Sofort rief ich alle drei zu mir und wies sie an, sich auf ihnen zugewiesenen Plätzen zu setzen. Ich verteilte die Teller und das Besteck. Laya saß mit Argusaugen schauend am Tischende und beobachtete die drei Brüder. Sobald sich einer rührte, ließ sie ein tiefes Uhuuu von sich hören und ich eilte an den Tisch, um zu sehen, ob nichts Besorgnis erregendes geschehen wäre. Nachdem ich das Schweinefleisch gegrillt hatte, servierte ich die Stücke auf den Teller. Schnell holte ich noch die Gewürze aus der Küche. Da hörte ich allgemeines Gemurre. Zurück an den Tisch, sah ich lange Gesichter, die Laya böse anstarrten. Auf meinem Teller konnte ich nichts Auffälliges sehen. Als ich die anderen Teller betrachtete und Bruder Ansgar den Mund verziehen sah, musste ich doch lachen. Bruder Albert meinte nur er sei allergisch gegen Mandeln. Der Anblick war tatsächlich etwas ungewohnt, zumal die Mandeln sehr fleischig aussahen.


Nun liebe Schreiberlinge habt ihr das Wort und Wort wurde eine Geschichte. Schreibt eine Geschichte, die mindestens eine Verwechslung beinhaltet. Sei es als Wort mit einer oder mehreren Bedeutungen. Es kann ein Fall, sowie eine Bank sein. Ihr könnt euch über alle Maßen aufregen, weil der Anzug nicht passt oder die Bierkrüge nicht bis zum Eichstrich gefüllt sind. Lasst euch über das Thema genüßlich aus.

Ich wünsche euch zuerst ein frohes neues Jahr und dazu viel gute Ideen und Geschichten.

Euer maquinistre Quidam