Autor Thema: Aufgabe August 2006  (Gelesen 2337 mal)

Offline Laya

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Aufgabe August 2006
« am: 22. November 2008, 15:10:31 »
Nicht enden wollende Hitze plagte uns seit Wochen. Ich hatte das Gemäuer schon lange nicht mehr verlassen. Durch das dicke Mauerwerk drang die Wärme nicht so stark ins Innere. Laya und ich lebten im Ostturm wie zwei Gefangene. Nur zu später Stunde wagte ich mich nach draußen, um dem Kräutergarten etwas Abkühlung zu verschaffen. Mit einem Holzeimer holte ich mühevoll das Wasser aus dem Brunnen. Laya saß die ganze Zeit auf dem Brunnenrand und schaute zu. Nur ab und zu stieß sie lautlos in die Lüfte, um eine unvorsichtige Maus zu schnappen. Die Tiere wollten sich an dem verschütteten Wasser laben und rannten Laya direkt in die Fänge.

Trotz meines Alters konnte ich mich immer noch nicht an die Hitze gewöhnen. Ältere Menschen frieren für gewöhnlich schneller und kommen dementsprechend nicht so schnell ins Schwitzen. Doch meine braune Kutte heizte mich ganz arg ein und speicherte die Wärme. Wie schön wäre es jetzt, wenn ein kräftiger Wind ginge, sagte ich laut zu mir selbst. Laya flog sofort los. Als sie zurückkam, hielt sie allerdings keine Maus, sondern einen Kieselstein in den Fängen. Sie setzte sich auf den Brunnenrand und warf ihn hinab. Beide schauten wir in den Brunnenschacht und ich erkannte im ebenfalls reinfallenden Mondschein, wie das Wasser Wellen zog. Ich dachte mir gerade, wie schön es wäre, am Meer zu sitzen und den Wellen zuzuschauen. Dann füllte ich die Vogeltränke mit Wasser.

Meine weitere Tätigkeit bestand darin, den Boden ein wenig mit der Grabgabel zu lockern. Das Wasser konnte dann leichter in die Erde zu den Wurzeln gelangen, bevor es ungenutzt verdunstete. Nach getaner Arbeit versorgte ich das Gartengerät im Keller. Laya saß unterdessen auf einem Regal und hielt ihr Ohr an eine große Muschel. Ich trat zu ihr und wollte ebenfalls wissen, was es da zu hören gab. Ich hielt die Öffnung an mein Ohr und konnte wunderbares Meeresrauschen hören. Schon wieder wünschte ich mich ans Meer. Etwas frustriert legte ich die große Muschel zurück und ging zurück in den Garten.

Auf der Gartenbank unter der alten Eiche nahm ich Platz und überlegte mir, was ich als nächste Arbeit auszuführen hatte. Durch die Wärme, die das Siedefeuer erzeugte, mied ich es im Laboratorium tätig zu sein. Doch hätte ich noch dringend eine Salbe für mich selbst herzustellen. Ich litt nämlich seit Wochen an einem hartnäckigen Ekzem. Trockene Schuppen rieselten mir zunehmend vom rechten Arm und nachts kratzte ich an dieser Stelle. Ein Verband für diese Zeit verschlimmerte jedoch die wunde Stelle. Ganz in Gedanken, begann ich schon wieder am Schuppengeflecht zu kratzen. Als Laya das sah, flog sie wieder davon. Kurze Zeit später erschien sie mit einem kleinen Gefäß zwischen den Krallen und flog um mich herum. Ich verstand nicht, was sie wollte. Da leerte sie den Inhalt, der aus Meersalz bestand über meinen Arm. Den Tiegel ließ sie in die Daneben stehende Wanne fallen. Das Wasser spritzte und schwappte mir über die Arme. Ich sprang auf und schimpfte mit Laya. Verärgert ging ich ins Haus und zog mir etwas anderes an. Dann ging ich zu Bett, zumal es bereits nach Mitternacht war.

Am folgenden Morgen stand ich auf und begab mich zur körperlichen Pflege ins Waschhaus. Beim entkleide des Nachtgewands stellte ich überrascht fest, dass die schorfige Stelle am Arm etwas kleiner war und nicht mehr so nesselte. Da kam es mir in den Sinn. Laya gab mir etliche Hinweise ans Meer zu fahren. Salzwasser war gut für die Haut. Die jodhaltige Luft tat den Lungen gut und beim Rauschen der Wellen konnte sich der Geist gut erholen. Sofort setzte ich mich an den Tisch im Refektorium und schrieb eine Nachricht an die Brüder der Einsiedelei an der der Nordsee. Unser Kommen sollte nicht unvorbereitet sein. Schließlich revanchierte ich mich mit in der Regel bei meinen Reisen mit kuriosen Mitbringseln oder nützlichen Arbeiten. Am Meer bot es sich an, Strandgut zu sammeln und daraus wirksame Medizinen herzustellen. Ob Seesterne oder Kalkmuscheln, Tang oder Algen. Alle diese Naturprodukte waren der Natur in anderer Form nützlich.

Jetzt, liebe Schreiberlinge, dürft ihr dem Strand seine Vorzüge entreißen. Schreibt eine Geschichte, die mit oder um den Strand zu tun hat. Es können Wellenrauschen oder Strandgut als Mittelpunkt darin vorkommen. Auch Strandungen oder Beachpartys sind so willkommen wie Strandkörbe oder Wattwanderungen. Das Meer an sich darf es auch sein, wenn ihr nicht zu weit vom Strand entfernt seid.

Ich wünsche Euch viel Spaß und gute Ideen

Euer maquinistre Quidam