Autor Thema: Aufgabe Juli 2005  (Gelesen 2034 mal)

Offline Laya

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Aufgabe Juli 2005
« am: 22. November 2008, 14:48:33 »
Die letzten Tage war es so heiß gewesen, dass ich erst am späten Abend in den Garten ging, um meine Pflanzen zu wässern. Die erwärmte Erde sog das Wasser gierig auf. Es dauerte dann meisten zwei Stunden, bis alle Blumen wieder erfrischt ihre Köpfe hoben und auf die Sonne des nächsten Tages warteten. Ich spazierte derweil langsam durch den Garten und atmete die verströmenden Düfte ein. Laya flog zwischen den Blumenbeeten und Gewürzrabatten hin und her und pickte ständig irgendwo herum. Im Stillen dachte ich mir, an was mich die einzelnen Gerüche wohl erinnerten und ich fühlte mich wie im Urlaub.

Laya kam auf mich zugeflogen und ließ einen langen Stengel vor mir fallen. Als ich ihn aufhob drang der starke Duft von Lavendel in meine Nase. Da fiel mir ein, dass Bruder Franziskus in einem Kloster in der Provence lebte und dort Lavendelessenzen erzeugte, aus denen das Kloster Seifen und Parfums herstellte. Er hatte mich diesen Sommer zum Johannisfest eingeladen. Leider musste ich wegen der Kirschernte absagen

Kaum lief ich weiter, da brachte mir Laya einen Thymianzweig, der mir mit seinem Duft Appetit auf einen Lammbraten machte. Sofort kam es mir auch in den Sinn, dass Bruder Bartholomeo in der Toskana einer Abtei vorstand, die für das beste Olivenöl mit Thymiangeschmack bekannt war. Er hatte mich zur Sommerfrische dieses Jahr eingeladen. Doch der Besuch meines lieben Bruders hielt mich davon ab.

Während ich weiterlief, brachte mir Laya einen Zweig eines Oleanderstrauches, der nach schwerer Süße duftete. Ich genoss das Aroma und versuchte mich daran zu erinnern, welche Assoziation mir diese Blüten kommen ließen. Ja, Bruder Gregorius züchtete Oleander in einem orthodoxen Kloster in Griechenland. Er hatte mich zur Feier einer neuen Blütenfarbe seiner Zucht eingeladen. Eine starke Sommergrippe machte mir eine Reise unmöglich.

Die Sommermargeriten standen schön in voller Blüte und sogar im Dunkeln konnte man ihre weißen Köpfe strahlen sehen. Da schob mir Laya eine Bougainvilea unter. Ich hielt die kräftig rosarote Blüte in den Schein der Gartenfackel und roch Gedanken versunken an ihr. Lächelnd dachte ich an meinen Kollegen Antonius, der in einem spanischen Kloster diese Blumen züchtete und mit deren Verkauf Geld für eine neue Kapelle sammelte. Am meisten an seiner Arbeit gefiel im die Zeit der Siesta. Er lud mich auch für den August zu sich ein, doch dann würde ich die Zeit meiner Sonnenblumenblütezeit verpassen.

Ich setzte mich zu einer kleinen Erholungspause auf eine Gartenbank, die unter dem großen Eichenbau stand. Von hier konnte man den ganzen Garten überblicken. Im kleinen Gartenteich spiegelte sich der Mond und erhellte den Rand des Gewässers. Da ließ Laya im Vorbeifliegen einen Papyrusstengel vor mir fallen. Ich hob ihn auf und wunderte mich, was das zu bedeuten hatte. Da fiel mir ein, dass ich die Post heute Morgen in meine große Kuttentasche gesteckt hatte und noch nicht zum Lesen gekommen war. Ich kramte zwei Briefe hervor, wovon der eine nur eine Rechnung enthielt. Der andere kam aus Ägypten von meinem Freund Augustinus. Er leitete ein koptisches Kloster, das Pergamente aus Papyrus herstellte und das alte Verfahren wieder anwandte. Er lud mich ein zu einer Nilfahrt auf einer Feluke, wenn die Sommerschwemme des Nils gefeiert wird. Leider musste ich absagen, weil ich unter Seekrankheit leide.

Mein Garten enthält noch viele andere Blumen und Früchte, die mich durch ihre Blüten und Düfte in die jeweiligen Feriengebiete versetzen. Da ich schon alt und etwas gebrechlich bin, ziehe ich es vor die Ferien in meinem Garten zu verbringen. Doch von Euch, liebe Schreiberlinge erwarte ich jetzt schöne Feriengeschichten. Es können Sommerferien als auch Besuche bei der Familie sein. Allerdings sollte ein Ärgernis darin vorkommen. Verpatzte Ferien oder ein kleiner Streit sollen die Spannung erhöhen.

Ich wünsche Euch viel Spaß und gute Ideen

Euer maquinistre Quidam