Autor Thema: Aufgabe Februar 2005  (Gelesen 2083 mal)

Offline Laya

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 37
  • Beobachterin
    • Profil anzeigen
    • Eulenschreibkleckse
Aufgabe Februar 2005
« am: 22. November 2008, 14:45:04 »
Eine kalte Nacht war vorüber gegangen und nahm ihre dunklen Schleier mit sich mit. Ich öffnete das Fester meiner Kammer, um frische Luft durch das Haus zu lassen. Da sah ich am Tor einen dicken Brief liegen. Schnell zog ich mir Kapuzenmantel und Fäustlinge über, um von der Kälte unbeschadet an das Schriftstück zu gelangen. Noch vor Ort erbrach ich verwundert das Siegel, das das Papier zusammenhielt. Laya, die sich zu mir gesellte und auf dem Torpfosten Platz nahm, beobachtete mich. Eine Einladung war Im Kuvert enthalten. Den Text wollte ich lieber im Warmen lesen.

Zuerst legte ich ein paar Holzscheite ins Kaminfeuer, denn es blies ein strenger Wind. Dann widmete ich mich dem Schreiben. Laya schaute mir geduldig über die Schulter, den sie saß nun auf der Lehne meines Arbeitsstuhls. Mein Studienkollege Fra Bartholomeo lud mich ein, um am folgenden Montag den Ereignissen seiner Stadt beizuwohnen. Ich solle meine Bettelschale und eine wollenen Kutte mitbringen. Außerdem sollte ich bis spätestens Donnerstag meine Zusage über mein Kommen bestätigen. Er habe extra eine Kammer für mich reserviert. Ich überlegte, was es denn mit solcher Einladung auf sich habe.

Zuerst suchte ich nach meiner braunen Kutte, die zwar aus Wolle bestand, aber zum größten Teil in Angora gewebt war. Mit den Jahren hatte auch mich der Rheumatismus ereilt und man musste rechtzeitig etwas dagegen tun. In einer großen Eichentruhe unter der Stiege fand ich das Gesuchte. Ein paar Motten hatten Gefallen daran gefunden. Nur die mit Lavendelblüten eingewickelten Teile blieben verschont von groben Löchern. Natur begegnet man am besten mit Natur. Mein Schuhwerk war mit Lammfell gefüttert und hatte sich im Laufe der Jahre bequem meinen Füssen angepasst. So fürchtete ich auch keine Kälte von unten her. Ich entfernte das hineingestopfte Papier, das für einen trockenen Schuh sorgen sollte. Gute Verwahrung zeigte sich immer wieder als erfolgreich. Was aber hatte es mit der Bettelschale auf sich?

Im Scriptorium zog ich den Kalender zu Rate. Nichts Auffälliges war dort vermerkt oder gab Aufschluss über ein spezielles Ereignis. Beschämt über die Unwissenheit eines Festes, zu dem ich geladen war und es nicht mal benennen konnte, suchte ich in der Almanach der italienischen Klöster. Doch nichts war augenfällig genug, als dass ich es für erwähnenswert hielt.

Während ich immer noch intensiv suchte, hörte ich ein Geräusch aus der Scheune kommen, doch ich achtete nicht weiter darauf. Kurz darauf. flogen geringelte Strohbänder über den Tisch. Laya hatte ein paar Strohballen geöffnet und deren Halterung zusammengerollt. Hier im Scriptorium ließ sie sie wie Luftschlangen durch den Raum fliegen. Unwirsch fegte ich einen Strohhalm von meinen Kopf, der sich in meiner Tonsur verfangen hatte. Ich hob den Stengel vom Boden auf und betrachtete ihn. Nun endlich dämmerte es mir. In einer Woche feierte die halbe Welt Fastnacht. Bruder Bartholomeo hatte mich zum Karneval nach Venedig eingeladen. Nach drei Tagen der Maskierung begann die Fastenzeit. Für einen ordentlichen Klosterbruder wurde der Gürtel ebenfalls enger geschnallt. Nur von Almosen und kargem Essen lebte man 42 Tage lange. Dann freute man sich auf Ostern und das erste frugale Mahl. Laya hatte in dieser Zeit ebenfalls etwas zu darben, weil die Feldmäuse sich bei dieser kalten Witterung lieber unter der Erde verstecken, als quer feldein über das Land zu laufen.

Liebe Schreiberlinge, da Fastnacht die Nacht vor der Fastenzeit ist und gefeiert wird, sollt ihr euch ebenfalls daran beteiligen. Auf Anfrage eines ganz jungen Novizen habe ich die Aufgabe diesen Monat kombiniert. Schreibt eine Geschichte die in der Fastenzeit spielt und folgende Begriffe enthält. Entweder sollen die Wörter den Rahmen bilden oder zumindest enthalten sein.

- Fastnacht
- Altstadt
- Reise
- Schriftstück
- Glocke

Ich wünsche Euch viel Spaß und gute Ideen.

Euer maquinistre Quidam

Unser Rätsel lautet diesmal:

Sherlock Holmes und Doktor Watson gingen zusammen zum Campen. Sie verbrachten einen wundervollen Tag in der freien Natur und wanderten durch die hügelreiche Landschaft.
Als es dämmerte errichteten sie ihr Zelt. Nachdem Sie ein köstliches Mahl zubereitet und aufgegessen hatten, fielen Sie beide müde in den Schlaf.
Sehr früh in der Nacht wachte Holmes auf, grunzte etwas und weckte seinen Assistenten mit einem leichten Stoß in die Rippen.
"Watson" sagte er. "Öffne schnell die Augen und schau hinauf zum Himmel. Was siehst du?"
Watson erwachte schlaftrunken.
"Ich sehe Sterne, Holmes." antwortete er. "Unendlich viele Sterne."
"Und was sagt dir das, Watson?" fragte Holmes.
Watson dachte für einen Augenblick nach.
"Tja Holmes, das sagt mir, dass dort draußen ungezählte Sterne und Galaxien sind und wahrscheinlich Tausende von Planeten. Ich nehme deshalb an, dass doch eine ganze Menge gegen die Theorie spricht, dass wir allein im Universum sind. Ich schau hinauf in den Himmel und fühle mich demütig angesichts dieser unendlichen Weiten. Und was sagt es dir?"